WASSER.WISSEN - Station 5

Wasserschloss Weißdorf

Das Wasserschloss Weißdorf, auch Burg Weißdorf genannt, war der einstige Rittersitz der Herren von Sparneck. Urkundlich erwähnt wurde die Burganlage das erste  Mal am 13. Juli 1364, als Rüdiger von Sparneck die Privilegien der Stadt Nürnberg an die Münchberger Bürger erteilte. Spätestens in diesem Jahr, wahrscheinlich schon früher, muss Weißdorf in den Besitz der Familie von Sparneck gelangt sein. 

Ein Nachfahre war Sebastian von Sparneck. Er war Raubritter und als Unterstützer von Hans Thomas von Absberg vermutlich verantwortlich für die Katastrophe, die die Wasserburg in Weißdorf und die übrigen Burgen der Sparnecker 1523 heimsuchen sollte. Die Herren von Sparneck hatten sich in die grausam geführte Fehde der von Absbergs gegen die Grafen von Öttingen und den Schwäbischen Bund hineinziehen lassen. Als die Sparnecker nämlich Ritter von Absberg erlaubten, seine Gefangenen im Verlies auf dem Waldstein zu verstecken, gerieten sie ins Visier des Zusammenschlusses aus fränkischen und schwäbischen Reichsständen.

Mitte Juni setzte sich das Bundesheer, bestehend aus 10.000 Fußknechten,  1.000 Reitern, 40 Geschützen, 100 Büchsen und 900 Zentnern Schießpulver von Dinkelsbühl aus gegen die „Raubnester“ im Odenwald und in Franken in Bewegung. Es hatte den Befehl, 23 Raubschlösser zu zerstören und die dazugehörigen Besitzungen für den Bund zu beschlagnahmen.

Nach der Brandschatzung und Vernichtung der Schlösser Sparneck, Gattendorf, Uprode und Waldstein wurde am 12. Juli 1523 das Wasserschloss in Weißdorf (siehe Abbildung links) gesprengt. Sämtliche Bewohner, bis auf eine Frau, waren vorher geflohen. Nachdem der oberste Feldherr Jorg Truchseß, Frhr. zu Waldenburg und die Kriegsräte Besitz von der Wasserburg ergriffen hatten, stellte sich heraus, dass sie nicht von allen Bewohnern verlassen worden war. Die Ehefrau von Sebastian von Sparneck lag dort im Kindbett. Daraufhin machten die Befehlshaber des Bundesheeres zunächst keine Anstalten, das Schloss räumen und niederbrennen zu lassen. Sie ließen es jedoch von einer Abteilung Kriegsknechte besetzen. Sebastians Gemahlin verließ erst nach ihrer Niederkunft mit Säugling und Dienstmagd die Burg. 

Das Wasserschloss Weißdorf wurde 1543 wieder aufgebaut. Dabei verlor die Burg ihren ursprünglich wehrhaften Charakter und ist heute ein barockes Landschloss. Der Wassergraben, ein früheres Verteidigungselement, zieht sich rings um das Schloss und ist bis heute erhalten.

Seit 1853 befindet sich das Schloss im Privatbesitz.

Das brennende Wasserschloss im Jahr 1523. Auf dem Bild ist die Frau des Sebastian von Sparneck mit einem Neugeborenen erkennbar.

Historischer Kartenausschnitt Uraufnahme 1808-1864. Vergleichen Sie die obere mit der unteren Abbildung und beachten Sie dabei den Verlauf der Sächsischen Saale, auf den in den vergangenen 200 Jahren bedeutend Einfluss genommen wurde.

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