WASSER.WISSEN - Station 19

Papierfabrik Blankenberg

Einst muss hier auch eine Wassermühle gestanden haben, denn eine solche wird in der Ankauf-Urkunde der Feste Blankenberg durch Kaiser Karl im Jahr 1371 ausdrücklich erwähnt.

Die Papiermühle aber, die auf Karten aus dem 18. Jahrhundert zu finden ist, existiert heute noch. Sie befand sich ab 1787 im Besitz der Papiermüller-Familie Flinsch, die im Jahr 1843 mit der maschinellen Papierherstellung begann. Die Sächsische Saale war dafür der Energielieferant und diente auch der Entsorgung der umfangreichen Produktionsabwässer. 1894 verkaufte Flinsch an den Eigentümer der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal Blankenstein, Gotthold Anton Wiede, der die Anlage zur Optimierung der Prozesse ausbaute. Dessen jüngster Sohn, Dr. Fritz Wiede, trieb die chemischen Produktionstechnologien der Oberflächenbehandlung voran, sodass Streichrohpapier hergestellt werden konnte.

Der Zukauf einer Papiermaschine der Füllner-Werke aus Warmbrunn/Schlesien auf der Weltausstellung im Jahr 1900 in Paris, machte es in den Folgejahren möglich, die gestiegene Nachfrage nach Papier zu erfüllen. Nach der Enteignung der Familie Wiede 1947, produzierte die Fabrik als „volkseigener Betrieb“ der DDR. Sie entging der Demontage der russischen Besatzungsmacht vermutlich, weil die technische Ausrüstung nicht dem modernen Standard entsprach. So konnten in der Nachkriegszeit über acht Jahre Schreib- und Druckpapier, Naturkunstdruck- und Packpapier hergestellt werden. In den Folgejahren lieferte die Papierfabrik Blankenberg Pergament-Rohpapier an das Hauptwerk Rosenthal. Das daraus gefertigte Echt-Pergament fand in der DDR Verwendung als Butterbrot- und Margarinepapier. Nach anfänglicher Ausweitung der Produktpalette, konzentrierte sich der Betrieb bis zur Stilllegung  1993 auf Pergamentroh- und Druckpapier.  Im Jahr 1999 übernahmen Hans-Joachim Landsberg und seine Söhne die teilweise abgerissene alte Papierfabrik, die heute unter Denkmalschutz steht.

  1. Restliches Produktionsgebäude
  2. Gleichstromdynamo „Gothaer Steuersatz“ 1905
  3. ehem. Herrenhaus Familie Flinsch
  4. Wasseraufbereitungsturm
  5. Gleisstränge ehem. Pferdebahn
  6. Mahlwerk
  7. Allzweckscheune
  8. Saalegrenzbrücke
  9. Wasserkraftturbine
  10. Zugefrorene sächs. Saale

Zu den Schaustücken gehören eine Papiermaschine (am Originalstandort die älteste in Deutschland) mit einer Arbeitsbreite von 2,30 m.

Die dazugehörende Transmissionsanlage mit Stahlband wurde angetrieben durch den Gleichstromdynamo von 1905  „Gothaer Steuersatz“.

 
 
 
 
 
 
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